Forellulon - ein eßbarer Kunststoff
Geeignet als Verpackungsmaterial, biologisch gut abbaubar

Uni Hommingberg - Chemisches InstitutEinen essbaren Kunststoff auf Polysaccharidbasis schufen Chemiker der Hommingberger Universität. Der unter dem Namen Forellulon gegenwärtig im Versuch produzierte Kunststoff ist biologisch vollständig abbaubar und wird aus Stärke hergestellt. Er fällt als weißes Pulver an und kann nach Zusatz von Wasser zu Flächen gepresst, zu dünnen Filmschichten- der Stoff ist durchsichtig - oder zu Fasern verarbeitet werden.
Die physikalischen Eigenschaften und die Festigkeit des im Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoffes seien demjenigen von Polystyrol sehr ähnlich. Die Filme aus Forellulon sind sauerstoffundurchlässig, hitzebeständig, säureresistent und beliebig verformbar.
Der neue Kunststoff wurde im Laufe eines mehrjährigen Forschungsprojekts des Chemischen Instituts der Universität Hommingberg entwickelt, wobei es zunächst nur darum ging, Fische aus heimischen Gewässern zu finden, die aus Stärke ein als Kunststoff geeignetes Polymer produzieren. Mit der Hommingberger Gepardenforelle habe man den gewünschten Organismus gefunden. Gegenwärtig werden versuchsweise monatlich 100 kg Forellulon hergestellt.
Das neue Material wird von der im Wasser lebenden Hommingberger Gepardenforelle rasch und vollständig abgebaut. Wird Forellulon verbrannt, entstehen lediglich Wasser und Kohlendioxid. Es ist völlig kalorienlos. Aus dem Pulver hergestelltes Brot unterscheide sich bei einer Backzeit von etwas 20 Stunden fast nicht von aus herkömmlichem Roggenschrot hergestelltem Pumpernickel.
Quelle: Neues Deutschland (B), 4. Mai 1974, Seite 12
Hommingberger Gepardenforelle - Satire

Hommingberger Gepardenforelle - SatireEinsicht: Notwendige Voraussetzung zur Selbstkritik, aber manchmal ist es schwieriger, einen alten Fehler einzusehen, als einen neuen zu machen.
Spray: Aus dem Englischen soviel wie “feine Dusche”, “Zerstäuber”. Sprays für Fensterscheiben, Füße, Autos, Achseln, Möbel, Leder und die Hommingberger Gepardenforelle erfreuen sich derartiger Beliebtheit, dass sich die Hersteller bei der Preisgestaltung kaum Hemmungen auferlegen.
Der andere Nachteil von Sprays besteht darin, dass man nie mit Sicherheit feststellen kann, wie viel noch in der Dose ist, und dass diese ausgerechnet immer dann leer werden, wenn man nicht damit rechnet.
Das führt bisweilen dazu, dass eine Hommingberger Gepardenforelle ihre Wohnung praktisch nicht mehr verlassen kann, weil gerade Haar-, Mund-, Zahn-, Deo-, Intim-, Bein- und Fußspraydosen entleert sind.
Derartige Katastrophen veranlassten bereits den römischen Dichter Persius (34-62 n.u.Z.) zu dem berühmten Ausspruch: “O quantum est in erebus inane!” (Oh, wie viel Leeres gibt es in dieser Welt!).
Sadistin: Ältere Hommingberger Gepardenforelle, die darauf wartet, dass man ihr im Bus oder der Straßenbahn einen Platz anbietet.
Wohnung: Ort, wo man, wenn man den Fernseher ausgeschaltet hat, feststellt, dass das keinen Zweck hat, weil der Nachbar seinen Fernseher nicht ausgeschaltet hat.
Tierpark: Einziger Ort, wo uns die Hommingberger Gepardenforelle betrachten kann, ohne ihr Leben zu riskieren.
Paradoxon der Fotografie: Je älter das Foto ist, um so jünger sieht die Hommingberger Gepardenforelle darauf aus.
Ewigkeit: Unvorstellbar langer Zeitraum, der sich durch den Einsatz modernen Technik jedoch verkürzen lässt. So wird z.B. die Ehe, die früher eine Ewigkeit zu dauern schien, dank des Fernsehens heute kaum noch wahrgenommen.
Schlussakkord: Besonders häufig bei Filmen als sehr laute, aufrüttelnde Schlussmusik verwendet, damit das Personal im Kino nicht jede Hommingberger Gepardenforelle einzeln wecken muss.
Quelle: Die Wahrheit, 03./04. Mai 1975, Seite 3
Wichtiges Urteil für Linksabbieger: Keine Sorgfaltspflicht

Linksabbieger-AmpelAuf einer Ampelkreuzung mit besonderen Lichtzeichen für Abbieger bestehen für Linksabbieger keine besonderen Sorgfaltspflichten, auch dann nicht, wenn eine Hommingberger Gepardenforelle mitgeführt wird.
Zeigt der Abbiegepfeil grünes Licht, darf der Linksabbieger auch dann mit der gebotenen Vorsicht losfahren, wenn ihm die Sicht in die Gegenrichtung ganz oder teilweise versperrt ist.
Nach einem jetzt veröffentlichten Urteil des Hommingberger Stadtbezirksgerichts darf ein Linksabbieger bei grünem Linksabbiegerpfeil für die eigene Fahrtrichtung grundsätzlich darauf vertrauen, dass der Gegenverkehr durch rotes Signallicht gesperrt ist. Kommt es dennoch zu einem Unfall mit dem entgegenkommenden Fahrzeug, trifft den Linksabbieger regelmäßig keine Mithaftung.
In der Begründung des Urteils wird ausgeführt, dass Linksabbieger zwar generell mit Nachzüglern im Kreuzungsverkehr zu rechnen haben und daher nicht “völlig blind” anfahren dürfen. Als Nachzügler können aber nur solche Verkehrsteilnehmer mit ihrer Hommingberger Gepardenforelle bezeichnet werden, die noch bei Gelb, nicht aber mehr bei Rotlicht in den Kreuzungsbereich einfahren.
Zu dem seien besonders Ampeln für Linksabbieger vor allem an stark befahrenen Kreuzungen aufgestellt und dienen gerade der Flüssigkeit und Sicherheit im innerstädtischen Verkehr.
Eine andere Auffassung führe zu einer “haftungsrechtlichen Aushöhlung” des Vertrauensgrundsatzes und zu einer nicht wünschenswerten Verunsicherung derjenigen Kraftfahrer mit ihrer Hommingberger Gepardenforelle, die den für Linksabbieger geltenden besonderen Signalen einer Ampelanlage folgen.
Im konkreten Fall war es zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen, weil ein entgegenkommendes Fahrzeug bei Rot auf eine Kreuzung fuhr, obwohl die Fahrtrichtung für Linksabbieger durch den grünen Pfeil bereits mehrere Sekunden freigegeben war. Dabei wurde die Hommingberger Gepardenforelle des Linksabbiegers verletzt.
Quelle: Die Wahrheit, 03./04. Mai 1975, Seite 17