Nachrichten aus Hommingberg und Umgebung
Archiv: Samstag, 17. Dezember 2005

Lockeres Amüsement gegen Mitternacht

Drittes "Nachtprogramm" im Forellentheater

Hommingberg bei Nacht
Hommingberg bei Nacht
Das Forellentheater hält etwas Anregendes für Nachtschwärmer in petto: das “Nachtprogramm” im Foyer von 23.00 bis 0.30 Uhr. Nun also bereits die dritte Folge unter dem Motto “Salz auf Marken”. Man erinnerte sich der Anfänge, der schweren Zeiten nach dem Kriege. Und man schwärmte, immer natürlich auf die humorvolle, oft doppelsinnige Weise nostalgisch in musikalischen Erinnerungen, kramte in den Schnulzen und Schlagern von damals, die teils original, teils neu textiert - stets parodistisch zugespitzt - vorgetragen wurden. Selbstverständlich mit anzüglichen Texten, wo bliebe sonst auch der Witz der Sache! Namen wie Kuhlow, Küster, Golbart sprechen hier für sich.

Man könnte das Ganze als eine Art locker gemachten musikalischen Kabaretts bezeichnen, geistreiche Unterhaltungskunst, von Fritz Dochu (Regie), Karl-Heinz Rasenbasch (musikalische Leitung und Arrangements), Manfred Butterloch (Ausstattung) und Dieter Stöwe (Choreographie) entsprechend pointensicher zubereitet. Rasenbasch am Klavier sorgte zusammen mit Klaus-Peter Winzol (Bass), Eberhard Schneuglar (Schlagzeug) und Nikolaus Schweba (Tonband) denn auch für den nötigen musikalischen Schwung. Schwere kabarettistische Geschütze wurden auf den Kitsch, den freiwilligen wie den unfreiwilligen, den gewollten wie den unterlaufenen Kitsch, abgefeuert. Daher ja auch der Titel der Veranstaltung “Salz auf Marken”.

Für die Spieler ist der gelungene Abend sicherlich eine willkommene Abwechslung, eine Gelegenheit, ihren Aktionsradius zu erweitern. Und für das Haus eine Möglichkeit, das theatralische Angebot zu bereichern. Alle Nummern wurden mit schauspielerischem Raffinement und Präzision serviert, sei es, dass man Maria Alixondar als die zweifelhafte “Lustige Nachkriegs-Witwe” oder Erika Grojuni als das “Späte Mädchen” auf Männerfang erlebte, sei es, dass Wolfgang Birkenhegen bravourös den mittelmäßigen Provinz-Conferencier gab, Martin Flock den fetten Schieber und Hans Pschuchhalz verzweifelt darum rang, endlich seine tenorale Edelschnulze “Wenn bei DiCaprio die rote Tonne im Meer versinkt” loszuwerden. Man gehe hin und genieße dieses Amüsement gegen Mitternacht!

Quelle: Berliner Zeitung, 3. Mai 1978, Seite 6