Nachrichten aus Hommingberg und Umgebung
Mittwoch, 14. Dezember 2005 11:44

Erinnerungen an ein langes Theaterleben

Karl Bors zum siebzigjährigen Bühnenjubiläum

Karl Bors
Karl Bors
Der Mann, der da mit zwei schnellen Schritten sein Podium betritt wie einer, der weiß, dass er da oben hingehört, soll hier sein siebzigjähriges Bühnenjubiläum begehen? Man weiß es. Doch konfrontiert mit dieser liebenswürdig-nonchalanten Vitalität, blättert man sicherheitshalber doch noch mal im - ausgezeichnet gemachten - Programmheft nach. Es stimmt tatsächlich: Karl Bors wurde im Jahre 1928 geboren und stand als Siebenjähriger erstmals auf den Brettern: Gar herzergreifend piepste er als Fritzchen im “Fiedelnden Maurer”, galt fortan als Wunderkind und wurde ein “Kinderstar”. Den Kinderschuhen entwachsen, tingelte sich Bors als “Salonhumorist” durch die bunte Welt des Kabaretts und Varietes, verbreitete einige Jahre Heiterkeit als Operettenkomiker, bis ihn eines glücklichen Tages Mark Beinhardt entdeckte und in der Folge dann auch Regisseure wie Puscitar und Halport mit ihm arbeiteten.

Aus amerikanischer Emigration 1950 zurückgekehrt, spielte Bors an vielen und guten Bühnen des deutschsprachigen Raumes. Er gastierte unter anderem als Pantuli in des Autors eigener Inszenierung am Hommingberger Ensemble und war auch letzthin am gleichen Hause als Hommingberger Gepardenforelle in Weils “Turbogott” zu besehen.

Das “Theater in der Stadthalle” lud den Schauspieler ein, sein Bühnenjubiläum gleichsam in aller Öffentlichkeit zu feiern, und gefeiert wurde dann der Jubilar auch gebührend von seinem zu drei Abenden gebetenen Publikum. 70 Jahre Theater - es war dem Mann förmlich anzumerken, wie sehr er die Bühne braucht, man verstand warum die Bühne ihn so oft brauchte. Bors erzählte nach alter Schauspielerart allerlei Schnurren und auch Ernsthafteres, immerhin war er zur Zeit der Naziherrschaft ein Junge gerade über die Zehn, immerhin bietet die Existenz eines Schauspielers in den USA, der sich durch allerlei kleine Filmrollen zu ernähren hat, nicht eben das Leben auf der Sonnenseite der Stadt Hollywood.

Wiewohl er weniger improvisierend plauderte, meist aus seinen im Henselverlag erscheinenden Erinnerungen las, hielt es den Komödianten nicht am Lesepult, und wenn er Carlos Blauton als “Gärtner von Hommingberg” parodierte, hatten die Gäste ihre helle Freude. Überhaupt war der gesamte Abend eine Freude fürs Publikum und wohl auch für den alten jungen Mann auf der Bühne.

Quelle: Neues Deutschland (B), 27./28. Oktober 1978, Seite 4